Donnerstag, 22. September 2022
Körperambivalenz
Es passiert nicht oft. Diese perfekte Position. Eingehüllt, fest umsorgt von meiner Decke, anschmiegsam wie Frischehaltefolie. Nirgends ein Drücken, eine Störung. Die Haut homogen und ebenmäßig berührt, verhüllt. Ich spüre nichts. Es ist eine irritierende Leichtigkeit. Ich spüre meinen Körper nicht mehr. Es ist die perfekte Position. Gleichsam eine Lähmung. Eine Angst sich zu bewegen und die Schwerelosigkeit zu verlieren. Die Gedanken daran meinen Körper nie wieder zu spüren werden lauter und lauter. Wir kämpfen. Das glückstrunkene Gefühl des Schwebens gegen die Angst keinen Halt mehr zu finden. Den Verlust seines Körpers zu befürchten ist ein mächtiger, unbesiegbarer Gegner. So sind es nur Sekunden und doch hoffe ich jeden Abend darauf.

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Montag, 19. September 2022
Kapselleben
Wie lebt man nicht zusammen? Es gibt keine Berührungspunkte mehr. Keine Gemeinsamkeiten. Unterschiedliche Gefühle in gemeinsamen Situationen. Keine gemeinsame Musik. Meinungen die wir nicht mehr teilen. Tagträume als Ersatz für Glück. Wünsche die in Zwangsgedanken münden. Flucht in Auszeiten, allein in der großen Stadt. Kinder binden uns immer noch an diese Hoffnung von der Nähe die verloren ging. Doch sie werden keine Rücksicht nehmen. Unser Leben, wird es wieder ein gemeinsames werden? Oder werden wir uns weiter voneinander entfernen? Bis wir uns nicht mehr sehen und erkennen. Meine Selbstgefälligkeit sagt mir ständig, du brauchst sie nicht. Doch kann sie allein leben. Mein Gefühl sagt mir, nein. Grund genug sie nicht allein zu lassen. Das ist kein Mitleid, was ich da fühle. Hoffe ich. Wird aus Alleinsein irgendwann Einsamkeit? Ich bin hilflos und doch oft so voller Sehnsucht nach einer Änderung. Warten, jeden Tag.

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Montag, 12. September 2022
Paarungs-Energie
Bluetooth ist keine Erfindung eines Wissenschaftlers. Nein, du hast es erfunden. Bin ich nicht in deiner Nähe, fehlen mir die Worte. Kein Laut, nur Stille. Komme ich zu dir merke ich wie die Verbindung zu dir entsteht, wie sie ausgehandelt wird und dann höre ich dich, nur dich. Worte tauchen wie selbstverständlich auf und nur du kannst sie hören. Entfernungen schaden uns und die Wörter werden unverständlich. Ich muss dich sehen, um dich zu verstehen.
Oft komme ich ganz ohne Energie zu dir. Mit jedem Schritt zu dir beginnt dieses Ziehen, diese Sehnsucht dich zu berühren. Dieses sanfte Knistern, wenn du deine Energie an mich verschenkst. Sitze oder liege ich nur neben dir, brauche ich deine Gegenwart die ganze Nacht. Doch wenn sich unsere Körper finden und uns nichts mehr trennt, ist es wie ein Rausch, ein Glühen, eine Wiedergeburt. Jede Nacht. Bist du nicht bei mir, muss ich Energie sparen. Ich bin teilnahmslos und nehme meine Umwelt kaum noch wahr. Kontaktloses aufladen ist nur eine Notlösung. Dich berühren zu dürfen, beherrscht mein Denken, den ganzen Tag. Ich brauche dich, um zu leben.

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